 |
| Die Schlacht |
|
Gewaltsame Aufklärung (14. und 15. April 1945) |
|
Vor Beginn der eigentlichen Angriffe führte die Rote Armee häufig eine
gewaltsame Aufklärung (Vorausangriff) durch. Der am 14. April 1945 ab
6.45 Uhr beginnende sowjetische Vorausangriff traf die Verteidiger nicht
unerwartet. Die Angriffe begannen nach einer 15-minütigen
Artillerievorbereitung und wurden von den Divisionen der ersten Staffel
geführt. Die Divisionen setzten hierzu jeweils ein bis zwei
Schützenbataillone ein, sodass insgesamt 36 Bataillone mit
Unterstützungskräften zum Einsatz kamen. |
|
 |
| Bild: Sturmangriff der sowjetischen Infanterie |
|
|
Die Angriffshandlungen hatten folgende Ziele: |
|
- den Gegner über den Beginn der Offensive zu täuschen,
- das gegnerischen Verteidigungs-, Sperr- und Feuersystem
aufzuklären,
- die 9. Armee zum Heranführen möglichst starker Kräfte in die
Hauptkampflinie zu veranlassen, um diese mit der
Artillerievorbereitung bei Beginn der Offensive zu erfassen und
weitgehend zu zerschlagen (dieses Ziel wurde nicht erreicht),
- Raum zu gewinnen, um noch näher an die Höhenstufe heranzukommen.
Vor Beginn der gewaltsamen Aufklärung befand sich die sowjetische
Artillerie mehr als 12 Kilometer von Seelow entfernt. Damit war ein
Großteil der Geschütze, die über eine Reichweite von bis zu 13 Kilometern
verfügten, nicht in der Lage, deutsche Stellungen (vor allem
Artillerie) in der Tiefe zu bekämpfen.
|
|
|
Nicht alle Armeen der Front konnten aus einem Brückenkopf ihre Operation
beginnen. |
 |
 |
|
Das Überwinden des Flusses, der von deutschen Einheiten am Westufer
verteidigt wurde, war äußerst kompliziert und vor allem verlustreich.
Deshalb überwanden die an den Flanken angreifenden vier Armeen in den
frühen Morgenstunden des 14. April 1945 in Bataillonsstärke die Oder und
die Alte Oder, um unter Ausnutzung des Überraschungsmoments einen
kleinen Brückenkopf einzunehmen und diesen vor Beginn der Berliner
Operation zu verstärken. Dies gelang nur teilweise. |
|
Bilder: Aufklärer setzen über die Oder / Sanitäterin bringt einen
Verwundeten zurück |
|
|
Der Befehlshaber der 1. Polnischen Armee, Divisionsgeneral Poplawski,
schreibt in seinen Erinnerungen:
"Die erste gewaltsame Aufklärung … war jedoch sehr schlecht vorbereitet
worden, so dass sie mit einem Misserfolg endete. Wo die Oder forciert
werden sollte, befand sich ein überfluteter Hochwasserdeich, über den
die Boote nicht hinweg zu kommen vermochten … Alle hatten nun begriffen,
dass die Überwindung der Oder weitaus sorgfältiger vorbereitet werden
musste." |
| |
|
Eine schwierige Lage entstand für die deutsche Seite in den
Mittagstunden des 14. April 1945 beiderseits der Reichsstraße 1, als
hier die durch die Kämpfe bei Küstrin bereits geschwächte 20.
Panzergrenadierdivision zurückwich. |
|
Feldwebel Averdieck schreibt: |
|
 |
| Bild: Deutsche MG-Stellung bei Frankfurt (Oder) |
|
"Am 14.4. liegt ab 07.00 Uhr auf dem gesamten Abschnitt Trommelfeuer von
eineinhalb Stunden Dauer. Die dann erfolgten sowjetischen Angriffe
werden durchweg abgeschlagen ... Kleinere Einbrüche sollen gegen Mittag
im Gegenstoß bereinigt werden. Der eigene Angriff gerät dann aber in
das zweite sowjetische Trommelfeuer, das zugleich durch schwere
Luftangriffe verstärkt wird. Die Kompanien fluten zurück, dabei schwere
Verluste erleidend ...
Es werden Beobachtungen bekannt, nachdem die
sowjetischen Infanteristen unsere liegen gebliebenen Verwundeten mit dem
Spaten erschlagen haben." |
|
 |
|
Bild: Seelower Volkssturm im Kampfabschnitt |
 |
|
Bild: Karte beiderseits der Reichstraße 1 |
|
|
Südlich von Seelow konnten die Angriffe durch die 169. und 712.
Infanteriedivision abgewehrt werden. Beiderseits der Reichsstraße 1
verschärfte sich jedoch die Lage, da es der Roten Armee gelang, bis an
die Großkampf-Hauptkampflinie, etwa sieben Kilometer vor den Seelower
Höhen, vorzudringen. |
|
Zur Wiederherstellung der Lage erhielt die in der Reserve der 9. Armee
befindliche Panzerdivision "Müncheberg" die Aufgabe, die 20.
Panzergrenadierdivision abzulösen. Die 20. Panzergrenadierdivision
besetzte den Ort Seelow, Stellungen am Hauptgraben und weitere
Abschnitte der Höhenrandstellung. |
|
Am Abend des 15. April 1945 flauten die Kämpfe ab, an der Front
herrschte weitgehend Ruhe. Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Ruhe
vor dem Sturm. Die 1. Belorussische Front hatte das für den Durchbruch
durch die deutschen Stellungen notwendige Kräfteverhältnis geschaffen. |
|
|
|
|
|
|
1. Operationstag (16. April 1945)
|
|
Am 16. April 1945, 4.00 Uhr (Mitteleuropäische Sommerzeit), begann die
Berliner Operation mit einer 25 Minuten dauernden Artillerievorbereitung
von bisher ungekannter Stärke. Die hohe sowjetische Artilleriedichte von
260 bis 333 Rohren pro Frontkilometer ermöglichte der 1. Belorussischen
Front in kurzer Zeit, ca. 500.000 Granaten auf deutsche Stellungen zu
verschießen. Da die deutschen Truppen rechtzeitig die Großkampfstellung
eingenommen und die eigene Artillerie tief gegliedert hatten, traf das
Geschützfeuer der 1. Belorussischen Front weitgehend ins Leere. |
|
Wenige Augenblicke vor Beginn des Sturmangriffs wurden als Signal und
zur Beleuchtung des Gefechtsfeldes sowie zur Blendung der deutschen
Verteidiger 143 Flakscheinwerfer eingeschaltet, die allerdings den
dichten Nebel und die durch die Granateinschläge verursachte Staubwolke
nicht durchdringen konnten. Nun griffen die Rotarmisten in Schützenkette
an. |
|
 |
| Bild: Sowjetische Artillerie in Feuerstellung |
|
|
Ein 16jähriger Flak-Kanonier, vor wenigen Tagen noch Luftwaffenhelfer,
erinnert sich an seinen ersten großen Kampfeinsatz: |
|
|
"Bis in den anbrechenden Morgen hinein ging dieses infernalische
Höllengewitter. Die Strahlen der aufgehenden Frühlingssonne vermochten
den dichten Schleier von Staub, Rauch und Dunst nicht zu durchbrechen …
Das Trommelfeuer war erst das Vorspiel des Schreckens gewesen. Den
nächsten Akt gestalteten die russischen Schlachtflieger … eine Welle
nach der anderen griffen unsere Stellung an … Nächster Akt: Wir werden
von Granatwerfern und Stalinorgeln unter Beschuss genommen … Die
russische Infanterie rückt schnell nach … Handgranaten flogen in unseren
Bahneinschnitt. Wir setzten uns zähe zur Wehr, und es gelang
tatsächlich, auch diesen Angriff zum Erliegen zu bringen, wenn auch
unter schweren eigenen Verlusten … An diesem 16.4.1945 sind von uns
Luftwaffenhelfern etwa 10 bis 12 gefallen, wohl etwa die gleiche Anzahl
wurde verwundet." |
 |
| Bild: Sowjetische Infanterie im Angriff vor Seelow |
|
|
Von entscheidender Bedeutung war, dass es den Rotarmisten nicht gelang,
die Seelower Höhen aus der Bewegung einzunehmen. Nach anfänglichem
Bodengewinn blieben die Verbände des 4., 28. und 29. Garde-Schützenkorps
längere Zeit vor dem Hauptgraben unter hohen Verlusten liegen. Dieser
wassergefüllte, bis zu 4 m breite Graben erwies sich für Panzer und
gepanzerte Fahrzeuge als unüberwindlich. |
|
|
Nachdem Behelfsübergänge geschaffen worden waren, setzten die Divisionen
ihren Angriff nach einem erneuten Artillerieschlag fort. |
|
Gegen Mittag hatte sich der sowjetische Angriff der in der
Hauptschlagrichtung angreifenden 8. Gardearmee vor der Höhenstufe
festgerannt.
Leutnant Tams, in Seelow Kompaniechef im Verteidigungsabschnitt "Küstrin",
erinnert sich an seine ersten Eindrücke, als der Gegner sich auf
Schussweite näherte: |
|
 |
| Bild: Hermann Tams, Februar 1945 |
|
|
"Nach zwei bis drei Stunden hörte das Trommelfeuer unvermittelt auf.
Vorsichtig riskierten wir einen Blick über den Höhenrand in die
Oderniederung hinein, und was wir sahen, ließ uns das Blut gerinnen:
eine einzige Welle schwerer Panzer, so weit wir im Dämmerlicht sehen
konnten. Die Luft war vom Lärm der Motoren und Kettengeräusche
ausgefüllt. Als die erste Reihe näher herangekommen war, entdeckten wir
dahinter eine zweite und dann Schwärme von laufenden Infanteristen." |
|
|
Was der Leutnant nicht wissen konnte: Seine Kompanie, etwa 130 Mann
stark, wurde durch die 57. Gardeschützendivision mit ca. 5.000 Mann
angegriffen.
Zum gleichen Zeitpunkt wurden auf Entschluss von Marschall Shukow die 1.
und die 2. Gardepanzerarmee in die Schlacht eingeführt. Der Befehl, ca.
1.000 Panzer und Selbstfahrlafetten zusammen mit den bereits in der
Schlacht stehenden Infanteriearmeen zum Erzwingen des taktischen
Durchbruchs der gegnerischen Verteidigung einzusetzen, widersprach allen
operativen Gepflogenheiten und bisherigen Erfahrungen. |
 |
| Bild: Deutsche Infanterie im Oderbruch |
|
|
Beide Gardepanzerarmeen standen mit ihren Hauptkräften noch östlich der
Oder.
Da das Übersetzen eine beträchtliche Zeit in Anspruch nahm, war ein
geschlossener Einsatz nicht möglich.
An den 25 Brücken und 40
Fährenübersetzstellen kam es zu großen Problemen, denn die Panzer
setzten vor den Reserven und Nachschubtruppen der in der
Hauptschlagrichtung handelnden Armeen über die Oder. |
|
|
Im Verlauf des Tages gelang es den sowjetischen Angreifern, an der
linken Flanke in die Verteidigung der 9. Armee einzubrechen und bis an
die Alte Oder vorzudringen. Die Stadt Wriezen konnte durch den Einsatz
von Teilen der 25. Panzergrenadierdivision und anderen Truppenteilen
gehalten werden.
Die 9. Fallschirmjägerdivision ging bis zu 9 km zurück und blieb am 2.
Verteidigungsstreifen beiderseits Platkow stehen. |
|
| Ein Einbruch an der rechten Flanke der 9. Armee wurde durch Teile der
Panzergrenadierdivision "Kurmark" und der schweren SS-Panzerabteilung
502 abgeriegelt. Weitere Einbrüche bei der 169. und 712.
Infanteriedivision konnten im Gegenangriff bereinigt werden. Am Ende des
1. Operationstages hatten die Truppen der Roten Armee trotz hoher
Verluste – im Oderbruch unterhalb der Seelower Höhen lagen über 200
abgeschossene Panzer – die gesteckten Ziele an keinem Abschnitt der
Front erreicht. |
|
|
Der letzte Abwehrerfolg der 9. Armee war verlustreich erkämpft worden.
Alle Reserven waren eingesetzt und für Gegenangriffe nach dem Durchbruch
der Großkampf-Hauptkampflinie nicht mehr verfügbar. Deshalb wurde durch
das Oberkommando der Wehrmacht die 18. Panzergrenadierdivision für die
9. Armee freigegeben und in den Raum Buckow – Müncheberg verlegt. |
|
| 2. Operationstag (17. April 1945) |
| An der linken Flanke der 9. Armee bei der 606. Infanteriedivision begann
die Front zu reißen, was auch durch die in den Kampf geworfenen Teile
der 25. Panzergrenadierdivision nicht mehr verhindert werden konnte.
Auch die 5. Jägerdivision unter General Sixt wich vor den Angriffen der
1. Polnischen Armee zurück. |
|
|
Die Hauptlast der Verteidigung lag jedoch im Abschnitt des LVI.
Panzerkorps unter Befehl des Generals Weidling beiderseits der
Reichsstraße 1 und beim XI. SS-Panzerkorps unter General der Waffen-SS
Kleinheisterkamp. Der Roten Armee gelang es, Gusow und Platkow
einzunehmen und weiter in Richtung Neuhardenberg anzugreifen. Damit
wurde die Höhenstellung nördlich Seelow durchbrochen und die nach
Südwesten einschwenkenden Teile des 4. Gardeschützenkorps bedrohten
Seelow von Norden und Westen. |
 |
| Bild: Gegenangriff mit "Panther"
|
|
|
Der Ortsstützpunkt Seelow wurde von Teilen der 57.
Gardeschützendivision angegriffen, die hier eingesetzten Reste des
Panzergrenadierregiments 76 mussten sich ausgangs des Tages, nach 36
Stunden hartnäckiger Verteidigung, aus dem von russischen T-34 Panzern
umfassten Ort zurückziehen. |
Leutnant Tams erinnert sich an die Einweisung in die Stein-Stellung
westlich Seelow:
"Somit waren wir mit 13 Mann die vorläufig stärkste Kompanie in unserer
Kampfgruppe. D.h., nur jeder 10. Soldat von uns hatte die letzten 37
Stunden heil und gesund überstanden." |
|
| Im Verlauf des Tages gelang es der Roten
Armee, zwischen dem LVI. Panzerkorps und dem XI. SS-Panzerkorps auf
breiter Front einen Durchbruch zu erzielen. |
Am Ende des 2. Operationstages hatten die sowjetischen Truppen noch
immer nicht die für den 1. Operationstag gestellten Aufgaben erfüllt.
Trotzdem war die Lage der 9. Armee fast aussichtslos.
Verluste konnten
nicht mehr ersetzt werden, Reserven waren nicht mehr verfügbar. Mit
Bussen herangebrachte Marschbataillone konnten am zunehmenden
Kräfteverfall nichts mehr ändern. |
|
 |
| Bild: Deutsche Soldaten im zweiten Verteidigungsstreifen
|
|
|
 |
| Bild: Sowjetische Artilleristen im Feuerkampf |
|
|
Durch Hitler wurde befohlen, die in der Reserve der Heeresgruppe
Weichsel befindliche 11. SS-Freiwilligen-Panzergrenadierdivision
"Nordland" und die 23. SS-Freiwilligen-Panzergrenadierdivision "Nederland"
freizugeben.
Beide Divisionen hatten jedoch nur noch Brigadestärke und
zu einem Gegenangriff, der die Offensive des Gegners zum Stillstand
gebracht hätte, reichten die Kräfte nicht. |
|
|
|
|
3. und 4. Operationstag (18. und 19. April 1945) |
|
 |
| Bild: Volkssturm soll die Verteidigung verstärken
|
|
|
Am 18. April 1945 erreichte die Schlacht ihren Höhepunkt. Die 1.
Belorussische Front konnte nach schweren und äußerst verlustreichen
Kämpfen nunmehr die Ziele als erfüllt melden, die bereits am 1.
Operationstag als Aufgabe standen. Die schwersten Kämpfe entbrannten
entlang der Straße Seelow – Müncheberg. |
|
Den sowjetischen Verbänden gelang es bis auf wenige Ausnahmen, die
Verteidigung auf der Höhenstufe zu überwinden. Aufgrund fehlender bzw.
zu schwacher Reserven begann die Front der 9. Armee zwischen Müncheberg
und Wriezen endgültig zusammenzubrechen. |
|
 |
| Bild: Die letzten Reserven |
|
|
Leutnant Tams schildert die Ereignisse in seinen Aufzeichnungen:
" ... doch nun war es für uns zu spät. Alles ging furchtbar schnell. Der
Russe schoß mit seiner Artillerie ... und brach in unseren
Gefechtsgraben ein. Die Bilder, die sich nun vor meinen Augen
abspielten, verfolgen mich noch heute im Schlaf. Obwohl ich bis dahin
schon dreieinhalb Jahre Soldat war,... habe ich so etwas nicht erlebt
und in dieser Form auch nicht für möglich gehalten. Wie im Mittelalter
schlachteten sich die Männer mit Hieb- und Stichwaffen gegenseitig ab. " |
|
Das zur Festung erklärte Frankfurt (Oder) wurde in der Nacht zum 19.
April 1945 geräumt. In den Morgenstunden begann im vorgesehenen
Durchbruchsabschnitt beiderseits der Reichstraße 1 erneut der
sowjetische Angriff. Die Sicherungslinie Prötzel – Grunow – Bollersdorf
– Schermützelsee wurde durchbrochen und Wriezen wurde besetzt.
Der Versuch, durch Gegenangriffe die entstandenen Lücken zu schließen,
schlug fehl. Bei Prötzel und Müncheberg waren nicht mehr aufhaltbare
Panzerdurchbrüche erfolgt. Das hart umkämpfte, stark bombardierte
Müncheberg wurde am Abend des 19. April 1945 durch die Rote Armee
eingenommen.
Damit war der 3. Verteidigungsstreifen (Wotanstellung) durchbrochen.
Verstärkungen aus Berlin, 5 Volkssturmbataillone und 3 Bataillone der
15. Waffen-Grenadierdivision der SS (lettische Nr. 1), wurden in die
Räume Strausberg und Fürstenwalde verlegt, ohne nennenswerten Einfluss
auf die bedrohliche Lage nehmen zu können. |
| |
|
Die 9. Armee war in drei Teile gespalten. Die südlich von Seelow
eingesetzten Wehrmachtsverbände wurden Tage später im Kessel Halbe
eingeschlossen und vernichtet. Das LVI. Panzerkorps zog sich unter
Führung des Generals Weidling nach Berlin zurück und kämpfte dort bis
zum 2. Mai 1945. Die links eingesetzten Verbände versuchten nördlich von
Berlin die Elbe zu erreichen, um in westliche Kriegsgefangenschaft zu
gelangen. |
|
|
|
Fazit |
|
Die Schlacht war entschieden und die letzten Verteidigungsstellungen vor
Berlin aufgegeben. |
Die 9. Armee leistete einem weit überlegenen Gegner vier Tage lang einen
hartnäckigen Widerstand. Ihr Widerstand war aber prinzipiell sinnlos.
Den gestellten Auftrag, den Durchbruch zu verhindern, konnten die
Verteidiger nicht realisieren. |
|
 |
| Bild: Bei Seelow: Kriegstrophäen |
|
|
| |
|
Das Ergebnis der Gegenwehr konnte nur lauten: Vernichtung der deutschen
Einheiten und der jahrhundertlang gewachsenen Kulturlandschaft. Die
Wehrmachtsverbände hatten in den vier Tagen 12.000 Mann verloren. Ganze
Einheiten waren aufgerieben. |
| |
|
Nach diesen Kämpfen war die Front um mehr als 30 km zurückgedrängt und
in einer Breite von 70 km aufgerissen. Mit ihrem Widerstand hatte die 9.
Armee den sowjetischen Angriffs- und Zeitplan völlig durcheinander
gebracht. Die sowjetischen Divisionen standen ausgangs des 19. April
1945 dort, wo sie sich nach den ursprünglichen Planungen bereits am 17.
April 1945 befinden sollten. |
| |
|
Der Weg nach Berlin war nun frei und das Erreichen des wichtigsten
Zieles innerhalb der Berliner Operation greifbar nahe. Aber die Einnahme
der deutschen Hauptstadt bereitete den sowjetischen Truppen noch einmal
große Probleme. Marschall Shukow konnte die gesteckten Ziele nicht
zeitgerecht und nur unter enormen Verlusten erreichen. Somit verlief die
erste Etappe der Frontangriffsoperation nicht laut Plan. |
| |
|
Wesentliche Gründe waren: |
- Die 1. Belorussische Front hatte in den vier Tagen der Schlacht nach
eigenen Angaben 33.000 sowjetische und ca. 2.300 polnische Soldaten
durch Tod verloren. Fast 100.000 Verwundete standen für weitere
Handlungen nicht mehr zur Verfügung. Das bedeutete, dass Marschall
Shukow ein großer Teil seiner Infanterie nicht mehr für den Häuserkampf
in Berlin bereitstand.
Link mit Zeichen Video: Auszug aus der Rede des Botschafters der
Russischen Förderration am 16. April 2006
- Entgegen der Planung standen bereits beide Panzerarmeen in der Schlacht,
die eigentlich nach dem Durchbruch der deutschen Verteidigung für eine
schnelle zangenförmige Umfassung der Hauptstadt vorgesehen waren. In der
Schlacht verloren die sowjetischen Panzertruppen 727 ihrer
Gefechtsfahrzeuge. Da die Panzerarmeen mit den übrigen Verbänden eng
verzahnt waren, mussten sie sich erst durch zeitintensive Maßnahmen von
ihnen lösen.
- Trotz der gewaltigen deutschen Verluste konnten sich einige Divisionen
auf Berlin zurückziehen und die dortige Gruppierung wesentlich
verstärken. Der Kampf in Berlin dauerte vom 20. April bis zum 2. Mai
1945 und forderte auf beiden Seiten große Verluste.
|
 |
| Bild: General Bersarin mit deutschen Kriegsgefangenen |
|
|
Außerdem sah Marschall Shukow seinen Plan, als erster in Berlin zu sein,
gefährdet, da die 1. Ukrainische Front unter Marschall Konew von Süden
Berlin angriff. Nun entbrannte der Wettlauf um Berlin zwischen zwei
Fronten. |
|
General Bersarin war 60 Tage Stadtkommandant und leitete erste Maßnahmen
zur "Normalisierung" des öffentlichen Lebens in der Hauptstadt ein, als
noch im Zentrum gekämpft wurde. |
|
Am 8. Mai 1945 erfolgte in Berlin-Karlshorst die bedingungslose
Kapitulation aller Wehrmachtsteile. |
|
| |
|
Die Planung und der Verlauf der Schlacht um die Seelower Höhen zeigen
deutlich, dass die politischen Vorgaben die Handlungen prägten. Es ging
in erster Linie nicht um das zweckmäßige militärische Vorgehen, sondern
um die Einnahme von Berlin und das Erreichen der Elbe vor den
Westalliierten um jeden Preis.
|
|
|
 |